Auf der Walz

Mit der „Walz“ oder der „Tippelei“ bezeichnet man die Wanderschaft eines Handwerksgesellen nach Abschluss seiner Gesellenprüfung. Seit dem 12. Jahrhundert ziehen Handwerker durchs Land, um zu arbeiten, andere Regionen, Kulturen, aber vor allem neue Fertigkeiten in ihrem Fach kennenzulernen. Vom Spätmittelalter bis Mitte des 18. Jahrhunderts war die Walz Voraussetzung für den Gesellen, um seine Meisterprüfung ablegen zu dürfen. Gesellen wandern heute in Gesellenvereinigungen (auch Schächte genannt) oder als Freireisende. Nach einer Reisezeit von, je nach Schacht, zwei bzw. drei Jahren und einem Tag kann man sich einheimisch melden. Diese Einheimischmeldung wird oftmals groß gefeiert, wobei viele Gesellen auch weite Anreisen in Kauf nehmen, um dabei zu sein.

Bad Kissingen 2014

Wanderschaft noch heute?

Ja, sie gibt’s noch. Abenteuerlust in Verbindung mit Neugier auf andere Regionen, Traditionsbewustsein, sowie die Lust seine frisch gelernten Fertigkeiten in seinem Handwerk zu erweitern, treiben heute noch junge Handwerker in die Ferne.

Wo kann ich mich melden wenn ich evtl. auf Wanderschaft gehen möchte?

Dachverband der Wandergesellen: http://www.cceg.eu

Rituale und Regeln

Wer auf die Walz geht, muss sich an die Handwerksbräuche halten. Die Gebräuche unterscheiden sich leicht, je nach Vereinigung – haben aber denselben Ursprung. Der Bannkreis zum Heimatort darf während der Wanderschaft nicht betreten werden.DSCI3269

In regelmäßigen Abständen treffen sich einheimische Schachtmitglieder der Umgebung mit den Fremden, die sich momentan dort aufhalten und in Arbeit stehen, um – im wahrsten Sinne des Wortes – in geselliger Runde Erfahrungen und Ideen auszutauschen.
Einen wandernden Gesellen erkennt man vor allem an seiner traditionellen Kluft; seine Schachtzugehörigkeit an der sogenannten „Ehrbarkeit“. *Die Handwerkerehre steht für Qualität, Zuverlässigkeit, Vertrauen sowie für Werte wie Fleiß, Beständigkeitund Treue innerhalb der Ausübung eines Handwerks.

Die Kluft

Bild 421Jedes Gewerk hat seine spezielle Kluft.

  • Der Hut kann ein Schlapphut, ein Zylinder oder ein Koks (Melone) sein und kennzeichnet seinen Träger als „freien Mann“.
  • Das weiße Hemd wird Staude genannt
  •  Über dem Hemd trägt man eine Weste und ein Jackett
  • Die Ehrbarkeit ist das Erkennungsmerkmal des jeweiligen Schachtes, die von keinem anderen berührt werden darf, als vom Träger selbst. Die meisten Schächte haben eine Ehrbarkeit in krawattenähnlicher Form, die durch ihre Farbe die Zugehörigkeit einer bestimmten Gesellschaft darstellt. Ein Schacht trägt stattdessen eine goldene Handwerksnadel im eingeschlagenen Hemdkragen als Ehrbarkeit
  • Die Hose hat meistens einen ausgeprägten Schlag am Hosenbein
  • An den Füßen trägt man schwarze Schuhe oder Stiefel
  • Wichtigster Begleiter des Gesellen ist der Charlottenburger, ein circa 80 mal 80 Zentimeter großes Tuch, in dem er Wechselwäsche, Zahnbürste und Werkzeug trägt. Der“ Charli“ wird als längliche Rolle gebunden.
  • Weitere Utensilien sind der Stenz, eine Art gewundener Wanderstab, und das Wanderbuch.
  • Die Metallgewerke tragen als traditionelle Kluft Zunftkleidung in schwarz, blau oder den sogenannten Hamburger Streifen. Dies sind schwarze bzw. dunkelblaue senkrechte Streifen auf blauen Untergrund (Cord ähnliche Optik)